Wie übersetzt man eine Promotion
in überzeugende Berufserfahrung?
Unabhängig davon, ob meine promovierten Bewerberinnen und Bewerber aus einem MINT-Fach, den Sozialwissenschaften oder den Geisteswissenschaften kamen, sie alle hatten praktische Berufserfahrung gesammelt, aber der Bewerbung hat man das oft nicht angesehen. Recruiter haben selbst in der Regel nicht promoviert und können den Arbeitsalltag eines Forschenden gar nicht kennen. Wenn du deine wertvolle Berufserfahrung aus der Promotionszeit im Lebenslauf nicht sichtbar und verständlich machst, dann existieren sie für Recruiter nicht.
Der größte Fehler im Lebenslauf
Nach meiner Beobachtung, ist das Problem nicht die fehlende Erfahrung, sondern, dass im Lebenslauf zu viele Sachthemen beschrieben werden, statt Tätigkeiten. Außerdem werden akademische Begrifflichkeiten verwendet, statt berufsrelevante. Eine Übersetzung der akademischen Sprache in eine industrieübliche ist daher sehr wichtig. Hier zwei Beispiele:
Statt: „Betreuung von Masterarbeiten“
Besser: „Fachliche Anleitung und Koordination von 5 Studierenden“
Oder:
Statt: „Durchführung von Lehrveranstaltungen“
Besser: „Konzeption und Durchführung von Seminaren zur Vermittlung komplexer Inhalte im Bereich XY“
Der Inhalt ist fast identisch, aber die zweite Version spricht Personalentscheider viel mehr an, da die Einsatzfähigkeit für bestimmte Aufgaben deutlich wird.
Unternehmen denken in Aufgaben
Recruiter und Abteilungsleiter/innen wünschen sich jemanden zu finden, der bereits weiß, wie er oder sie die Dinge im neuen Job anzugehen hat. Sie denken in Rollen und den dazugehörenden Tätigkeiten:
- Kann die Person Projekte koordinieren?
- Kann sie Kosten und Zeitaufwände kalkulieren?
- Kann sie Qualitätsvorschriften umsetzen?
- Kann sie Mitarbeitende anleiten?
Diese Tätigkeiten machen Promovierende oft jahrelang und noch viele, viele mehr. Sie nennen es nur anders. Du musst deinen aktuellen Arbeitstag also nach Tätigkeiten und Rollen analysieren. Schauen wir uns die zwei häufigsten Nebenrollen an, die der eigentlichen Fachexpertenarbeit folgen.
Eine Promotion erfordert sehr viel Projektmanagement
Du bist für die Planung und Durchführung deiner Forschungsarbeit ganz allein verantwortlich. Dazu gehört unter anderem:
- Meilensteine und Deadlines festlegen
- Teilaufgaben/-schritte priorisieren
- Mit Kooperationspartnern abstimmen
- Budget planen und überwachen
- Projektergebnisse präsentieren
- Berichte schreiben
Projektmanagement passiert da, wo komplexe Aufgaben über längere Zeit gesteuert werden müssen. Selbst wenn du dich nicht direkt als Projektmanager bewirbst, steckt dieser Aufgabenbereich trotzdem in ganz vielen Jobrollen mit drin. Achte in Stellenanzeigen darauf und bringe die oben genannte Punkte in deinen Lebenslauf hinein. Dafür brauchst du kein offizielles Zertifikat oder komplexe Projektmanagement-Software mit der du gearbeitet hast. Gleichwohl wäre das eine nette Ergänzung im Lebenslauf, die du auch aufschreibst, falls geschehen.
Promovierende haben oft kleine Führungsaufgaben
Sehr viele Promovierende und Postdocs erweitern ihre Führungskompetenz, denn sie betreuen Bachelor- oder Masteranden, sie arbeiten mit Laborassistenten zusammen und setzen HiWis zur Unterstützung ein. Wahrscheinlich hast auch du schon Elemente von Führung übernommen, wie:
- Hilfskräfte ausgewählt
- Studierende eingearbeitet
- Personen bei Ausführung von XY angeleitet
- Aufgaben definiert und verteilt
- Fachliche Kontrolle ausgeübt
Natürlich ist das nicht dasselbe wie eine disziplinarische Teamleitung mit Personalverantwortung. Die meisten Wissenschaftler bewerben sich zwar nicht direkt auf eine Teamleiter- oder sogar Abteilungsleiterstelle, aber auch hier gilt: in sehr vielen Jobrollen stecken Teilaspekte davon drin und Führungskompetenzen sind dann ein Bewerbungsbonus.
Wie du deine Erfahrung besser übersetzt
Schreibe nicht nur auf, an welchen Themen und Problemstellungen du gearbeitet hast, sondern schreibe auf, welche Funktionen du dabei übernommen hast. Frage dich, habe ich organisiert, koordiniert, angeleitet, kalkuliert, recherchiert oder präsentiert? Dann kannst du aus einer „Promotion“ ein Bündel an beruflicher Erfahrung ziehen.
Halten wir also fest: Das eigentliche Problem ist selten fehlende Kompetenz, sondern mangelndes Bewusstsein und fehlende Übersetzung in die Sprache von Unternehmen. Wenn du lernen willst, wie du deine Promotionszeit überzeugend in Lebenslauf, Anschreiben und Vorstellungsgespräch darstellen kannst, dann kann mein Karriereprogramm oder eine individuelle Bewerbungsbegleitung sinnvoll für dich sein. Dort erarbeite ich mit dir, was Recruiter über dich unbedingt lesen sollten.



