Keine Antwort auf die Bewerbung – abwarten oder nachfragen?

Ein Seminarteilnehmer hat mir nach einem Seminar noch eine wichtige Frage gemailt: „Ich habe online gelesen, dass man sich nach 2–3 Wochen melden sollte, um Interesse zu bekunden. Wie siehst du das?“

Tatsächlich liest man im Internet regelmäßig, dass das ein besonderes Interesse an der Stelle signalisieren soll und die eigenen Chancen verbessert. Aus Recruiter-Sicht ist sie jedoch nicht sinnvoll – im Gegenteil. Personalentscheider haben viele verschiedene Aufgaben zu tun und ein volles Tagesprogramm. Wenn jemand anruft, unterbricht das meine Arbeit und wenn ihr mir E-Mail schreibt, dann packt ihr eine weitere Arbeitsaufgabe dazu. Fakt ist auch: Wenn das Unternehmen an dir Interesse hat, dann wird es dich das ganz sicher wissen lassen. Ein Nachfragen ist also vollkommen unnötig.

Eine Ausnahme gibt es aber doch. Wenn du keine Bestätigung für den Eingang deiner Bewerbungsunterlagen erhalten hast, dann solltest auf jeden Fall es etwas unternehmen:

  1. Warte 4-7 Tage ab.
  2. Schreibe eine E-Mail (kein Anruf).
  3. Bitte um Eingangsbestätigung der Bewerbung für Stelle XY.

Darauf zu warten, dass sich das Unternehmen endlich zurückmeldet, ist für viele Jobsucher und Bewerberinnen aber schwer auszuhalten. Man wartet, hofft und wird doch immer unsicherer. Dabei ist es ganz normal, dass du in den meisten Bewerbungsfällen mehrere Wochen lang nichts hörst. Wie lang im Durchschnitt eine Antwort vom Unternehmen dauert, zeigt eine Umfrage von StepStone: nach 6 Wochen hatten 50 % der Bewerber noch keine Antwort erhalten. Das bedeutet für dich: die ersten 6 Wochen solltest du dir noch gar keine Gedanken machen. Ist eine Bewerbung älter als drei Monate, dann solltest du sie in deiner Bewerbungsübersicht durchstreichen und erst einmal nicht mehr als „offene Bewerbung“ mitzählen.

Leider gibt es auch regelmäßig den Fall, dass du nie eine Antwort bekommst. Da ich für jeden meiner Bewerbungsbegleitungs-Kunden selbst eine Bewerbungsübersicht mitführe, damit ich immer weiß, wo wir stehen, kann ich aus dieser Erfahrung sagen, dass etwa 20 % der Bewerbungen nie eine Absage erhalten. Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber nicht zu ändern. Für dein eigenes Bewerbungsmanagement bedeutet das:

  • Protokolliere jede Bewerbung mit allen Vorgängen in einer Tabelle.
  • Streue das Risiko: Als akademische Fachkraft sind derzeit 10 „offene Bewerbungen“ gleichzeitig auf dem Markt eine gute Anzahl.
  • Gedulde dich, denn in dem meisten Fällen wirst du informiert.

Ich weiß, gerade der letzte Punkt kann ungemein stressen. Da ist es gut, wenn man eine erfahrene Person an seiner Seite hat, die objektiv auf die Bewerbungschancen schauen kann und immer ein offenes Ohr für dich hat. Genau davon kannst du in meiner Bewerbungsbegleitung profitieren.


Bildquelle: Harif Hossain von Vecteezy